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Berufsrechtliches Handbuch

Stand: Juni 2021


5.2.2 Hinweise der Bundessteuerberaterkammer zur Berufshaftpflichtversicherung

Beschlossen vom Präsidium der Bundessteuerberaterkammer am 28. April 2014 in Berlin

Inhaltsübersicht
 
Einleitung
 
I.   Haftung
     1.   Gesetzliche Grundlagen der Haftung
     2.   Typische Berufshaftpflichtgefahren
     3.   Haftungsausschluss und Haftungsbeschränkung
     4.   Verjährung von Ersatzansprüchen
     5.   Direktanspruch des Mandanten in der Berufshaftpflichtversicherung
 
II.  Versicherungspflicht
     6.   Gesetzliche Grundlage der Versicherungspflicht
     7.   Versicherungspflicht bei genehmigten gewerblichen Tätigkeiten
     8.   Höhe der Versicherungssummen und Selbstbehalt
     9.   Nachweis des Versicherungsabschlusses
     10. Anzeige  von Veränderungen
     11. Rechtsfolgen eines fehlenden Versicherungsschutzes
     12. Folgen eines unterbrochenen Versicherungsschutzes
 
III. Vericherungsverhältnis
     13. Gesetzliche und vertragliche Grundlagen für den Versicherungsvertrag
     14. Versicherungssumme im Einzelfall und Jahreshöchstleistung
     15. Gebührenanrechnung, Selbstbehalt und Eigenbeteiligung
     16. Prämien und Prämienzahlung
     17. Fälligkeit der Prämienzahlung, Rücktritt und Leistungsfreiheit des Versicherers
     18. Sozietäten
 
IV. Umfang des Versicherungsschutzes
     19. Zeitlicher Umfang des Versicherungsschutzes
     20. Rückwärtsversicherung
     21. Sachlicher Umfang des Versicherungsschutzes
     22. Allgemeiner Umfang des Versicherungsschutzes
     23. Versicherusngsschutz für gesellschaftsrechtliche Haftung
     24. Zusatzabdeckung
     25. Auslandsdeckung
     26. Versicherungsschutz für Vertreter, Praxisabwickler und Praxistreuhänder
     27. Versicherungsschutz für Erfüllungsgehilfen
     28. Ausschlüsse und nicht versicherte Tätigkeiten
     29. Ansprüche auf Erfüllung des Vertrags
     30. Ersatz von Kosten
 
V.  Verhalten im Schadensfall
     31. Anzeigepflichten
     32. Maßnahmen zur Abwendung und Minderung des Schadens
     33. Rechtliche Stellung des Steuerberaters
     34. Folgen der Verletzung von Obliegenheiten
 

Einleitung

Nach § 67 Absatz 1 StBerG i. V. m. §§ 51 ff. der Verordnung zur Änderung der Verordnung zur Durchführung der Vorschriften über Steuerberater, Steuerbevollmächtigte und Steuerberatungsgesellschaften (DVStB) vom 19. August 1991 müssen selbstständige Steuerberater und Steuerbevollmächtigte, Steuerberatungsgesellschaften und Partnerschaftsgesellschaften – auch solche mit beschränkter Berufshaftung nach § 8 Abs. 4 PartGG (PartGmbB) – gegen die aus ihrer Berufstätigkeit sich ergebenden Haftpflichtgefahren angemessen versichert sein.

Diese Hinweise sollen Steuerberater und Steuerbevollmächtigte (im Folgenden Steuerberater genannt) über wesentliche Grundsätze unterrichten, die bei Abschluss, während der Dauer des Versicherungsvertrags und im Schadensfall beachtet werden sollten.


I. Haftung

1. Gesetzliche Grundlagen der Haftung

Ansprüche von Auftraggebern und von Dritten auf Ersatz von Vermögensschäden können sich aus einer Verletzung der Vertragspflichten, z. B. §§ 611 ff. BGB (Dienstvertrag), §§ 631 ff. BGB (Werkvertrag), § 675 BGB (entgeltliche Geschäftsbesorgung) sowie aus §§ 823 ff. BGB ergeben.


2. Typische Berufshaftpflichtgefahren

Haftpflichtgefahren können sich aus der gesamten beruflichen Tätigkeit ergeben.

Beispiele:

  1. Der Steuerberater erteilt eine unrichtige Auskunft; diese veranlasst den Mandanten zu Entscheidungen, die steuerliche Nachteile zur Folge haben.
  2. Der Steuerberater versäumt eine Frist, z. B. eine Rechtsbe­helfsfrist oder die Frist für einen Antrag auf Investitionszulage.
  3. Die Beratung oder mangelnde Prüfung hat zu falschen Bilanzansätzen und damit zu einem unrichtigen Ergebnis geführt.
  4. Der Steuerberater hat den Auftrag zur Erledigung der Buchführungsarbeiten. Ein Fehler bei der Datenerfassung führt zu einer entsprechend fehlerhaften Buchführung und z. B. zu einer unrichtigen Umsatzsteuer­-Voranmeldung.
  5. Bei der Erarbeitung von Finanz-­ und Kapitalbeschaffungsplänen werden öffentliche Zuwendungen (z. B. Investitionszulagen und Zinszuschüsse aus bestimmten Förderungsprogrammen) einkalkuliert, obwohl im konkreten Fall die Voraussetzungen für die Gewährung nicht gegeben sind.


3. Haftungsausschluss und Haftungsbeschränkung

(1) Ein vollständiger Ausschluss der Haftung ist nicht zulässig. Die Regelung des § 67a Abs. 1 StBerG, nach der die Haftung der Höhe nach beschränkt werden kann, stellt eine abschließende gesetzliche Regelung dar, die keinen Raum für einen allgemeinen Haftungsausschluss lässt (Gehre/Koslowski, StBerG, § 67a, Rdnr. 2; Kuhls u. a., StBerG, § 67a, Rdnr. 8).

(2) Die Haftung kann bei einem fahrlässig verursachten Scha­den gemäß § 67a StBerG beschränkt werden durch:

  1. schriftliche Vereinbarung im Einzelfall bis zur Höhe der Mindestversicherungssumme (zzt. 250.000,00 €)
  2. durch vorformulierte Vertragsbedingungen auf den vierfachen Betrag der Mindestversicherungssumme, wenn insoweit Versicherungsschutz besteht (zzt. 1 Mio. €, im Fall der PartGmbB 4 Mio € bzw. bei Beteiligung eines Rechtsanwaltspartners 10 Mio. €).

(3) Bei einer Haftungsbeschränkung durch Allgemeine Auf­tragsbedingungen sind die §§ 305 ff. BGB zu beachten. Allgemeine Geschäftsbedingungen werden nur dann Bestandteil des Vertrags, wenn der Steuerberater bei Vertragsabschluss ausdrücklich auf sie hinweist und dem Mandanten die Möglichkeit ihrer Kenntnisnahme verschafft und dieser mit ihrer Geltung einverstanden ist (§ 305 Abs. 2 BGB).


4. Verjährung von Ersatzansprüchen

(1) Nach der bis zum 14. Dezember 2004 geltenden Rechtslage verjährten vertragliche Schadenersatzansprüche des Auftraggebers gegen den Steuerberater gemäß § 68 StBerG a. F. in drei Jahren von dem Zeitpunkt der Anspruchsentstehung an. Da die kurze Verjährung von drei Jahren damit auch ohne Kenntnis des Auftraggebers eintreten konnte, hatte die Rechtsprechung den sog. Sekundäranspruch entwickelt. Danach war der Steuerberater – bei begründetem Anlass – verpflichtet, den Auftraggeber auf die Möglichkeit seiner Haftung hinzuweisen und über die hierfür geltenden Verjährungsvorschriften zu belehren. Bei einem schuldhaften Verstoß gegen die Belehrungspflicht machte sich der Steuerberater erneut schadenersatzpflichtig. Dieser Sekundäranspruch unterlag ebenfalls der dreijährigen Verjährung nach § 68 StBerG a. F.

(2) Mit Wirkung zum 15. Dezember 2004 wurde die Vorschrift des § 68 StBerG a. F. aufgehoben. Damit richtet sich seitdem auch die Verjährung von Schadenersatzansprüchen gegen den Steuerberater nach den allgemeinen Verjährungsvorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs (§§ 194 ff. BGB). Ab dem 15. Dezember 2004 findet grundsätzlich das neue Verjährungsrecht Anwendung, auch – allerdings unter Beibehaltung eines Verjährungsbeginns nach altem Recht – auf die an diesem Tag bestehenden und noch nicht verjährten Ansprüche. Dies gilt auch dann, wenn ein Schadenersatzanspruch aus einem Vertragsverhältnis, das vor dem 15. Dezember 2004 begründet wurde, erst nach diesem Stichtag entsteht.

(3) Nach § 195 BGB beträgt die regelmäßige Verjährungsfrist drei Jahre. Sie beginnt mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Auftraggeber von den den Anspruch begründenden Umständen und der Person des Steuerberaters Kenntnis erlangt oder ohne grobe Fahrlässigkeit erlangen müsste (§ 199 Abs. 1 BGB). Unabhängig von der Kenntnis oder grob fahrlässigen Unkenntnis des Auftraggebers verjährt der Schadenersatzanspruch in zehn Jahren von der Entstehung des Anspruchs an bzw. unabhängig von der Anspruchsentstehung in 30 Jahren von der Begehung der Handlung oder der Pflichtverletzung an (§ 199 Abs. 3 BGB). Maßgeblich ist die früher endende Frist. Die regelmäßige Verjährungsfrist von drei Jahren gilt auch dann, wenn es sich bei dem Steuerberatungsvertrag um einen Werkvertrag handelt (vgl. § 634a Abs. 1 Nr. 3 BGB).

(4) Da nach § 199 Abs. 1 BGB der Beginn der Verjährungsfrist auch von der Kenntnis des Auftraggebers abhängig ist, besteht nach herrschender Meinung für die von der Rechtsprechung entwickelte verjährungsrechtliche Sekundärhaftung kein Bedürfnis mehr. Sie findet daher keine Anwendung mehr, soweit das neue Verjährungsrecht gilt.

(5) Auch nach der neuen Rechtslage ist Voraussetzung für den Beginn der Verjährungsfrist, dass der Schadenersatzanspruch gegen den Steuerberater entstanden ist. Erforderlich hierfür ist, dass sich die Vermögenslage des Auftraggebers durch die Pflichtverletzung des Steuerberaters gegenüber seinem früheren Vermögensstand objektiv verschlechtert hat. Hier gelten die folgenden Grundsätze:

Haftung aus steuerlicher Beratung

  1. Liegt die Pflichtverletzung vor Erlass des belastenden Steuerbescheids, beginnt die Verjährung mit Bekanntgabe des (ersten) belastenden Steuerbescheids, d. h. mit dem tatsächlichen Zugang des Steuerbescheids, nicht erst mit dessen Bestandskraft oder Unanfechtbarkeit. Dies gilt auch dann, wenn der Steuerbescheid noch keine Steuerfestsetzung enthält, sondern erst Bemessungsgrundlagen feststellt, die für die nachfolgende Steuerfestsetzung bindend sind. Bei zu niedrig festgesetzten Verlustzuweisungen beginnt die Verjährung mit der Bekanntgabe des entsprechenden Grundlagenbescheids.
  2. Besteht der Schaden des Auftraggebers in vermeidbaren Umsatzsteuern infolge fehlerhafter Selbstveranlagung, beginnt die Verjährung mit Einreichung der Steueranmeldung beim Finanzamt. Versäumt es der Steuerberater im Anschluss an die Abgabe von Jahresumsatzsteuererklärungen auf eine danach bekannt gewordene Rechtsprechungsänderung durch einen Antrag auf Neufestsetzung zu reagieren, beginnt die Verjährung erst mit dem Ende der Festsetzungsfrist zu laufen.
  3. Hängt eine zivilrechtliche Vertragsgestaltung nach dem Willen des Mandanten von dem voraussichtlichen Ergebnis eines Besteuerungsverfahrens ab und erteilt der Steuerberater hierzu eine unrichtige Auskunft, beginnt die Verjährung mit der Bekanntgabe des ersten nachteiligen Steuerbescheids und nicht schon mit dem Vertragsabschluss.
  4. Bei vom Steuerberater verschuldeten Säumniszuschlägen entsteht der Schaden bereits dann, wenn eine festgesetzte Steuerforderung bzw. Steuernachforderung nicht bis zum Ablauf des Fälligkeitstags entrichtet worden ist, ohne dass es einer gesonderten Festsetzung der Säumniszuschläge bedarf. Die Verjährung beginnt nicht mit der Verwirkung des Säumniszuschlages, sondern erst dann, wenn die Finanzbehörde den Zuschlag – z. B. durch Mahnung oder Ankündigung einer Vollstreckung – einfordert.
  5. Beruht der Schadenersatzanspruch des Mandanten auf einer fehlerhaften Beratung hinsichtlich des Entstehens von Aussetzungszinsen, beginnt die Verjährungsfrist mit der Bekanntgabe des (ersten) Bescheides, durch den die Vollziehung ausgesetzt wird.
  6. Bei Fehlern, die durch eine Außenprüfung festgestellt werden und zu einer Steuernachzahlung führen, beginnt die Verjährungsfrist erst mit der Schlussbesprechung. Stellt sich bei der Außenprüfung heraus, dass die Steuer zu hoch festgesetzt wurde, so hat die Verjährung bereits mit Eintritt der Bestandskraft des Steuerbescheids begonnen.
  7. Führt die Versäumung einer Ausschlussfrist zu einem belastenden Steuerbescheid, kommt es nicht auf den Fristablauf, sondern auf den Zugang des Steuerbescheids an. Hat der Steuerberater pflichtwidrig gegen den belastenden Steuerbescheid keinen Rechtsbehelf eingelegt oder eine Ausschlussfrist (z. B. Einspruchs­ oder Klagefrist) versäumt, beginnt die Verjährung mit Eintritt der Bestandskraft des Bescheids. Dies gilt auch dann, wenn der Steuerbescheid zunächst der formellen Gesetzeslage entspricht und die zugrunde liegende Steuernorm erst später vom Bundesverfassungsgericht für nichtig erklärt wird. Wurde ein Einspruch oder eine Klage nicht ordnungsgemäß begründet, beginnt die Verjährung mit der Bekanntgabe des Einspruchsbescheids oder des Urteils.

Haftung aus sonstiger Berufstätigkeit

  1. Hat ein Steuerberater, der die Lohnbuchführung seines Auftraggebers übernommen hat, für dessen Arbeitnehmer keine Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung abgeführt, tritt beim Auftraggeber der Schaden in dem Zeitpunkt ein, in dem die geschuldeten Beiträge als Teil des Gesamtsozialversicherungsbeitrags durch die Auszahlung ansteigen. Auch bei zu Unrecht gezahlten Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung (z. B. für einen nicht versicherungspflichtigen GmbH­-Geschäftsführer) beginnt die Verjährung nicht erst mit Zugang des Festsetzungsbescheids, sondern bereits mit Zahlung der monatlichen Beiträge zur Arbeitslosenversicherung.
  2. Die Verjährung eines Schadenersatzanspruchs eines Arbeitgebers gegen den Steuerberater, der im Rahmen von Lohnabrechnungen keinen Arbeitnehmeranteil der Rentenversicherungsbeiträge abzieht, beginnt in Fällen der unerkannten Beitragspflicht erst mit dem Zugang des Nachforderungsbescheids.
  3. Bei Verlust einer Subvention tritt der Schaden ein, sobald feststeht, dass die Voraussetzungen für die Gewährung der Zulage nicht erfüllt sind bzw. nicht mehr erfüllt werden können und nicht erst mit der Entscheidung der zuständigen Behörde.
  4. Hat der Steuerberater seine Vertragspflicht durch pflichtwidrige Empfehlung einer nachteiligen Vermögensanlage verletzt, kann der Schaden schon mit der rechtlichen Bindung des Mandanten an das Beteiligungsobjekt entstehen.
  5. Hat der Steuerberater seinen Mandanten zur Vornahme einer verdeckten Sacheinlage veranlasst, beginnt die Verjährungsfrist erst zu laufen, wenn die Gesellschaft die fortbestehende Bareinlageverpflichtung geltend macht.

(6) Eine einzelvertragliche Abkürzung der Verjährungsfrist oder Vereinbarung von Ausschlussfristen ist zulässig. Dies gilt jedoch nicht für die Verjährung bei Haftung wegen vorsätzlicher Pflichtverletzung (§ 202 Abs. 1 BGB). Auch kann die Verjährungsfrist vertraglich bis höchstens 30 Jahre verlängert werden (§ 202 Abs. 2 BGB).

Nach der Rechtsprechung des BGH ist dagegen eine vertragliche Abkürzung der Verjährungsfrist in Allgemeinen Auftragsbedingungen (AAB) unwirksam. Nach in der Literatur vertretener Auffassung soll aber eine Verkürzung der kenntnisunabhängigen Zehnjahresfrist des § 199 Abs. 1 Nr. 3 BGB auch durch AAB möglich sein, wenn die Frist höchstens halbiert wird (Palandt/ Ellenberger, BGB, 72. Auflage, § 202, Rdnr. 16).


5. Direktanspruch des Mandanten in der Berufshaftpflichtversicherung

Seit der zum 1. Januar 2008 in Kraft getretenen Reform des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) hat der geschädigte Mandant unter bestimmten Voraussetzungen auch im Bereich der Berufshaftpflichtversicherung einen Direktanspruch gegenüber der Versicherung. Ein solcher Direktanspruch besteht nach § 115 Abs. 1 VVG dann, wenn über das Vermögen des Steuerberaters das Insolvenzverfahren eröffnet, der Eröffnungsantrag mangels Masse abgewiesen oder ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt worden ist bzw. wenn der Aufenthalt des Steuerberaters unbekannt ist.

In diesem Zusammenhang steht auch der durch das Achte Steuerberatungsänderungsgesetz neu geregelte Auskunftsanspruch des Mandanten gegenüber der Steuerberaterkammer bezüglich der Berufshaftpflichtversicherung des Steuerberaters. Nach § 67 Abs. 4 StBerG erteilt die Steuerberaterkammer Dritten zur Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen auf Antrag Auskunft über den Namen, die Adresse und die Versicherungsnummer der Berufshaftpflichtversicherung des Steuerberaters. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass der Steuerberater kein überwiegend schutzwürdiges Interesse an der Nichterteilung der Auskunft hat. Dies gilt entsprechend für Steuerberatungsgesellschaften und Partnerschaftsgesellschaften.


II. Versicherungspflicht

6. Gesetzliche Grundlage der Versicherungspflicht

(1) Selbstständige Steuerberater, Steuerberatungsgesellschaf­ten und Partnerschaftsgesellschaften sind verpflichtet, sich gegen die aus ihrer Berufstätigkeit (§§ 33, 57 Abs. 3 Nr. 2 und 3 StBerG) ergebenden Haftpflichtgefahren für Vermögensschäden angemessen zu versichern und die Versicherung während der Dauer ihrer Bestellung oder Anerkennung aufrechtzuerhalten (§ 67 Absatz 1 StBerG i. V. m. § 51 Abs. 1 DVStB). Der Versicherungspflicht unterliegen bei Gesellschaften bürgerlichen Rechts (Sozietäten) nicht die Gesellschaft, sondern die Sozien. Bei Partnerschaftsgesellschaften in der Variante des § 8 Abs. 2 PartGG müssen sowohl die Partnerschaft als auch die Partner versichert sein. Es ist aber ausreichend, wenn die Partnerschaft über die Versicherungen der Partner mitversichert ist. Die Partner einer PartGmbB, die ausschließlich für die Partnerschaft tätig sind, sind über die Berufshaftpflichtversicherung der PartGmbB mitversichert und benötigen daher keine eigene Versicherung (§ 51 Abs. 3 2. Halbsatz DVStB). Der Versicherungsschutz muss sich auch auf solche Vermögensschäden erstrecken, für die der Versicherungsnehmer nach § 278 oder § 831 des Bürgerlichen Gesetzbuchs einzustehen hat.

(2) Die Versicherung ist bei einem im Inland zum Geschäftsbe­trieb befugten Versicherungsunternehmen zu den nach Maßgabe des Versicherungsaufsichtsgesetzes eingereichten Allgemeinen Versicherungsbedingungen zu nehmen (§ 51 Abs. 4 DVStB).

(3) Die Versicherungspflicht beginnt mit der Bestellung als Steuerberater. Dies gilt auch im Fall des Syndikus­-Steuerberaters im Sinne des § 58 Satz 2 Nr. 5a StBerG. Die Versicherungspflicht beginnt bei einer Steuerberatungsgesellschaft mit der Anerkennung, bei einer Partnerschaftsgesellschaft, die nicht als Steuerberatungsgesellschaft anerkannt ist, mit der Eintragung im Partnerschaftsregister.

(4) Ist ein Steuerberater ausschließlich als freier Mitarbeiter für Auftraggeber im Sinne des § 3 StBerG tätig, ist er in die Berufshaftpflichtversicherung seines Auftraggebers eingeschlossen und benötigt keine eigene Versicherung. Der entsprechende Versicherungsschutz ist durch Vorlage des Versicherungsscheins des Auftraggebers sowie eine Bestätigung des Auftraggebers über die Beschäftigung als freier Mitarbeiter nachzuweisen. Dies gilt entsprechend für Steuerberater, die ausschließlich als Angestellte nach § 58 StBerG tätig sind (§ 51 Abs. 2 und 3 DVStB).

(5) Betreut der Steuerberater neben der freien Mitarbeit auch eigene Mandate oder übt der angestellte Steuerberater den Beruf auch außerhalb des Anstellungsverhältnisses aus, bleibt er zum Abschluss einer eigenen Berufshaftpflichtversicherung verpflichtet.

(6) Ist ein Steuerberater zugleich als Rechtsanwalt, niedergelasse­ner europäischer Rechtsanwalt, Wirtschaftsprüfer oder vereidigter Buchprüfer bestellt oder ist eine Steuerberatungsgesellschaft zugleich als Rechtsanwaltsgesellschaft, Wirtschaftsprüfungsgesellschaft oder Buchprüfungsgesellschaft anerkannt, wird der Versicherungspflicht auch mit einer diesen Berufen vorgeschriebenen Berufhaftpflichtversicherung genügt (§ 54 Abs. 1 DVStB).

(7) Erfolgt die Bestellung nach Ablegung der Eignungsprüfung gemäß § 37a Abs. 2 StBerG, ist eine Berufshaftpflichtversicherung, die bei einem Versicherungsunternehmen eines anderen Mitgliedstaats der Europäischen Union, eines EWR­-Vertragsstaats oder der Schweiz genommen wird, ausreichend, wenn sie in Bezug auf Deckungsbedingungen und ­-umfang den in Deutschland geltenden Rechts­ und Verwaltungsvorschriften genügt (§ 54 Abs. 2 DVStB).


7. Versicherungspflicht bei genehmigten gewerblichen Tätigkeiten

(1) Nach § 57 Abs. 4 Nr. 1, 2. Halbsatz StBerG kann die zuständi­ge Steuerberaterkammer vom Verbot der gewerblichen Tätigkeit Ausnahmen zulassen, soweit durch die Tätigkeit eine Verletzung von Berufspflichten nicht zu erwarten ist. Bei der Frage, ob eine Pflicht zum Abschluss einer Vermögensschaden­-Haftpflichtversicherung für eine genehmigte gewerbliche Tätigkeit besteht, ist danach zu differenzieren, ob es sich um die Auslagerung vereinbarer Tätigkeiten im Sinne des § 57 Abs. 3 Nr. 3 StBerG in ein gewerbliches Unternehmen oder die Ausübung gewerblicher Tätigkeiten handelt, bei der keine vereinbaren Tätigkeiten gemäß § 57 Abs. 3 Nr. 3 StBerG wahrgenommen werden.

(2) Eine Ausnahmegenehmigung für eine gewerbliche Tätigkeit kann nach § 16 Abs. 1 Satz 2, 2. Spiegelstrich BOStB erteilt werden bei Auslagerung vereinbarer Tätigkeiten im Sinne des § 57 Abs. 3 Nr. 3 StBerG in ein gewerbliches Unternehmen, wie z. B. bei Auslagerung der Unternehmensberatungstätigkeit oder der Verwaltung fremden Vermögens in eine GmbH, bei der der Steuerberater als Gesellschafter-­Geschäftsführer tätig ist. In diesem Fall ist der Steuerberater verpflichtet, dafür zu sorgen, dass das Unternehmen, in das die vereinbare Tätigkeit ausgelagert werden soll, eine Vermögensschaden-­Haftpflichtversicherung abschließt, durch die die Haftpflichtrisiken aus der Tätigkeit der Gesellschaft bei der Erbringung der vereinbaren Tätigkeiten versichert sind. Dies folgt aus § 51 Abs. 1 Satz 1 DVStB, nach dem sich die Pflicht zum Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung auch auf die vereinbaren Tätigkeiten im Sinne des § 57 Abs. 3 Nr. 2 und 3 StBerG erstreckt. Da sich die Tätigkeit durch die Auslagerung inhaltlich nicht ändert, besteht diese Pflicht auch bei Auslagerung der vereinbaren Tätigkeit in ein gewerbliches Rechtskleid. Die Vermögensschaden­-Haftpflichtversicherung muss dabei durch die Gesellschaft abgeschlossen werden, weil sich etwaige Haftungsansprüche (z. B. aus fehlerhafter Beratungstätigkeit) allein gegen die Gesellschaft richten. Nicht ausreichend ist es somit, wenn lediglich die Haftungsgefahren aus der Geschäftsführertätigkeit durch eine D&O­-Versicherung versichert werden.

(3) Die von dem Unternehmen abzuschließende Versicherung muss nicht vollumfänglich den Anforderungen genügen, die nach §§ 51 ff. DVStB an die Berufshaftpflichtversicherung für Steuerberater zu stellen sind. Es reicht vielmehr aus, wenn die Versicherung den Anforderungen des § 51 Abs. 1 und 4 DVStB sowie des § 52 DVStB entspricht. Erforderlich ist daher eine Deckung auf Verstoßbasis unter Beachtung der Regelungen des § 52 DVStB zur Mindestversicherungssumme, zum Selbstbehalt und zur Jahreshöchstleistung. Hingegen wird nicht gefordert, dass sich die Versicherung auf die in § 53a DVStB geregelten Risikoausschlüsse beschränken muss. Entsprechend den geltenden Versicherungsbedingungen für die Unternehmensberater-Policen können daher weitergehende Risikoausschlüsse vorgesehen werden. Auch ist es unschädlich, wenn die Versicherung keine zeitlich unbegrenzte Nachhaftung gewährt, sondern – wie bei den Unternehmensberater-­Policen üblich – eine Deckung nur dann besteht, wenn der Verstoß innerhalb einer bestimmten Frist nach Beendigung des Versicherungsvertrags gemeldet wird (sog. Nachmeldefrist).

(4) Die Ausnahmegenehmigung wird in den Auslagerungsfällen unter der aufschiebenden Bedingung erteilt, dass das Unternehmen, in das die vereinbaren Tätigkeiten ausgelagert werden, eine Vermögensschaden-­Haftpflichtversicherung entsprechend den vorgenannten Bedingungen abschließt. Zum Nachweis gegenüber der Steuerberaterkammer genügt die Vorlage einer Kopie der Versicherungspolice. Eine förmliche Bestätigung des Versicherers ist nicht erforderlich.

(5) Keine Versicherungspflicht besteht dagegen bei Ausübung gewerblicher Tätigkeiten außerhalb der Wahrnehmung vereinbarer Tätigkeiten im Sinne des § 57 Abs. 3 Nr. 2 und 3 StBerG.

Mit Ausnahme des § 16 Abs. 1 Satz 2, 2. Spiegelstrich BOStB (Auslagerung vereinbarer Tätigkeiten in ein gewerbliches Unternehmen) gilt dies auch für die in § 16 Abs. 1 Satz 2 BOStB genannten Fallgruppen, da es sie hierbei nicht um die Wahrnehmung vereinbarer Tätigkeiten gemäß § 57 Abs. 3 Nr. 3 StBerG, sondern die Ausübung gewerblicher Tätigkeiten im Sinne einer unternehmerischen Tätigkeit handelt. Keine Versicherungspflicht besteht zudem bei der Verwaltung eigenen Vermögens in gewerblicher Rechtsform.


8. Höhe der Versicherungssummen und Selbstbehalt

(1) Steuerberater haben in pflichtgemäßer Abwägung aller sich aus ihrer Tätigkeit ergebenden Risiken und Umstände in eigener Verantwortung zu entscheiden, welche Versicherungssumme angemessen ist. Die Mindestversicherungssumme muss bei Steuerberatern, Steuerberatungsgesellschaften und Partnerschaftsgesellschaften in der Variante des § 8 Abs. 2 PartGG für den einzelnen Versicherungsfall 250.000,00 € betragen bei einer Jahreshöchstleistung von mindestens 1 Mio €.

(2) Bei der Partnerschaftsgesellschaft mit beschränkter Berufs­haftung (PartGmbB) muss die Mindestversicherungssumme für den einzelnen Versicherungsfall 1 Mio. € betragen. Die Jahreshöchstleistung für alle in einem Versicherungsjahr verursachten Schäden muss dem Betrag der Mindestversicherungssumme vervielfacht um die Zahl der Partner entsprechen, mindestens jedoch 4 Mio. € betragen (§ 67 Abs. 1 und 2 StBerG, §§ 51 Abs. 1 Sätze 1 und 2, 52 Abs. 4 DVStB). Dies bedeutet, dass bei vier oder weniger Partnern die Jahreshöchstleistung mindestens 4 Mio. € bzw. bei mehr als vier Partnern 1 Mio. € vervielfacht um die Anzahl der Partner betragen muss. Ist Partner auch ein Rechtsanwalt, muss die PartGmbB eine Berufshaftpflichtversicherung mit einer Mindestversicherungssumme von 2,5 Mio. € abschließen. Die Jahreshöchstleistung muss in diesem Fall 2,5 Mio. € vervielfacht mit der Zahl der Partner, mindestens jedoch 10 Mio. € betragen. Ist Partner neben einem Rechtsanwalt auch ein Wirtschaftsprüfer, muss die Versicherungsleistung bis zur Höhe von 1 Mio. € ohne Begrenzung der Jahreshöchstleistung und für die weiteren 1,5 Mio € mindestens vierfach maximiert (= 6 Mio. €) zur Verfügung stehen. Somit ergibt sich bei vier Partnern eine Jahreshöchstleistung von 10 Mio. €.

(3) Ein Selbstbehalt von höchstens 1.500,00 € ist zulässig (§ 52 Abs. 2 Satz 1 DVStB). Der Höchstbetrag von 1.500,00 € gilt auch bei einer interprofessionellen PartGmbB. Für den Betrag der Versicherungssumme, der über die Mindestversicherungssumme von 250.000,00 € bzw. 1 Mio. € im Fall der PartGmbB hinausgeht, kann ein Selbstbehalt in frei zu wählender Höhe vereinbart werden (vgl. auch Nr. 15).

(4) Die Mindestversicherungssumme und die Jahreshöchstleis­tung werden nicht immer den tatsächlichen Risiken entsprechen. Bei der Entscheidung über die Höhe der Versicherungssumme und der Jahreshöchstleistung sind die Haftpflichtgefahren der einzelnen Praxis zu berücksichtigen. Anhaltspunkte dafür können insbesondere sein: Art, Umfang und Zahl der Aufträge; Zahl und Qualifikation der Mitarbeiter; Struktur der Praxis (z. B. Beratungs-­, Prüfungs-­ und Buchführungstätigkeit); Art und Umfang von Tätigkeiten nach § 57 Abs. 3 Nr. 2 und 3 StBerG.

(5) Es ist zu empfehlen, für besondere Risiken aus einzelnen Angelegenheiten eine Einzelrisikoversicherung zusätzlich abzuschließen.

(6) Verändert sich während der Laufzeit der Versicherung das Risiko, so sind auch die Versicherungssummen und die Jahreshöchstleistung entsprechend anzupassen. Es ist deshalb erforderlich, die Angemessenheit der Berufshaftpflichtversicherung regelmäßig zu überprüfen.


9. Nachweis des Versicherungsabschlusses

(1) Bewerber, die ihre Bestellung zum Steuerberater beantragen und den Beruf selbstständig ausüben wollen, müssen der bestellenden Steuerberaterkammer den Abschluss einer den gesetzlichen Vorschriften entsprechenden Berufshaftpflichtversicherung durch eine Bestätigung des Versicherers nachweisen oder eine entsprechende vorläufige Deckungszusage vorlegen. Im letzteren Fall ist nach der Bestellung der zuständigen Steuerberaterkammer unverzüglich der Abschluss der Berufshaftpflichtversicherung durch eine Bestätigung des Versicherers oder eine beglaubigte Abschrift des Versicherungsscheines nachzuweisen (§ 55 Abs. 1 DVStB).

(2) Abs. 1 gilt sinngemäß für die Anerkennung als Steuerbera­tungsgesellschaft sowie für Partnerschaftsgesellschaften. Im letzteren Fall ist eine Versicherungsbescheinigung mit der Anmeldung zum Partnerschaftsregister der Steuerberaterkammer vorzulegen, in deren Bezirk die Partnerschaftsgesellschaft ihren Sitz hat (§ 55 Abs. 2 und 3 DVStB). Bei der PartGmbB muss eine Versicherungsbescheinigung auch der Anmeldung zum Partnerschaftsregister beigefügt werden (§ 4 Abs. 3 PartGG).


10. Anzeige von Veränderungen

(1) Die Beendigung oder Kündigung des Versicherungsvertrags, jede Änderung des Versicherungsvertrags, die den gesetzlich vorgeschriebenen Versicherungsschutz beeinträchtigt, der Wechsel des Versicherers, der Beginn und die Beendigung der Versicherungspflicht infolge einer Änderung der Form der beruflichen Tätigkeit und der Widerruf einer vorläufigen Deckungszusage sind der zuständigen Steuerberaterkammer von dem Versicherungspflichtigen unverzüglich anzuzeigen (§ 56 Abs. 1 DVStB).

(2) Der Versicherer ist verpflichtet, der zuständigen Steuerbe­raterkammer den Beginn und die Beendigung oder Kündigung sowie jede Änderung des Versicherungsvertrags, die den vorgeschriebenen Versicherungsschutz beeinträchtigt, unverzüglich mitzuteilen (§ 53 Abs. 2 DVStB). Der Versicherer ist befugt, der zuständigen Steuerberaterkammer Beginn und Ende des Versicherungsvertrags, jede Änderung des Versicherungsvertrags, die den vorgeschriebenen Versicherungsschutz beeinträchtigt, und den Widerruf einer vorläufigen Deckungszusage mitzuteilen. Die zuständige Steuerberaterkammer ist berechtigt, entsprechende Auskünfte bei dem Versicherer einzuholen (§ 56 Abs. 2 DVStB).


11. Rechtsfolgen eines fehlenden Versicherungsschutzes

Die Bestellung ist zu widerrufen, wenn der Steuerberater nicht die vorgeschriebene Haftpflichtversicherung gegen die Haftpflichtgefahren aus seiner Berufstätigkeit unterhält (§ 46 Abs. 2 Nr. 3 StBerG). Dies gilt entsprechend für die Anerkennung als Steuerberatungsgesellschaft, soweit die Gesellschaft nicht innerhalb einer angemessenen, von der zuständigen Steuerberaterkammer zu bestimmenden Frist den Abschluss der gesetzlich vorgeschriebenen Berufshaftpflichtversicherung nachweist (§ 55 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 StBerG).


12. Folgen eines unterbrochenen Versicherungsschutzes

Ein nicht ordnungsgemäßer Versicherungsschutz oder die Verletzung von Anzeigepflichten (Nr. 10) können berufsaufsichtliche Maßnahmen zur Folge haben. Kommt es zu Versicherungslücken, gilt dies auch, wenn die Versicherungslücke später durch eine Rückwärtsversicherung geschlossen wird.


III. Versicherungsverhältnis

13. Gesetzliche und vertragliche Grundlagen für den Versicherungsvertrag

(1) Gesetzliche Grundlage des Versicherungsvertrags ist das Ver­sicherungsvertragsgesetz (VVG).

(2) Für das Versicherungsverhältnis zwischen dem Versiche­rungsnehmer (Steuerberater) und dem Versicherer (Versicherungsgesellschaft) gelten die Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) zur Vermögensschaden­-Haftpflichtversicherung für Steuerberater bzw. für Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.

(3) Die Allgemeinen Versicherungsbedingungen werden durch Besondere Bedingungen und Risikobeschreibungen für die Vermögensschaden­-Haftpflichtversicherung von Steuerberatern des Versicherers ergänzt, die Bestandteil des Vertrags sind und das versicherte Risiko festlegen.

(4) Für Steuerberater, die zugleich als Wirtschaftsprüfer oder vereidigte Buchprüfer bestellt sind, gelten die Risikobeschreibungen zur Vermögensschaden­-Haftpflichtversicherung für Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer. Diese Berufsangehörigen haben ferner die Verordnung über die Berufshaftpflichtversicherung der Wirtschaftsprüfer und vereidigten Buchprüfer vom 18. Dezember 1998, die bis zu deren Implementierung in der Berufssatzung WP/vBP fortgilt, und die Besonderen Bedingungen für die Vermögensschaden-­Haftpflichtversicherung von Wirtschaftsprüfern und vereidigten Buchprüfern zu beachten.


14. Versicherungssumme im Einzelfall und Jahreshöchstleistung

(1) Der Versicherungsvertrag enthält eine Versicherungssumme, die den Höchstbetrag der dem Versicherer in jedem einzelnen Schadensfall obliegenden Leistung darstellt. Eine Höchstleistung des Versicherers für alle innerhalb eines Versicherungsjahres verursachten Schäden (Jahreshöchstleistung) kann vereinbart werden, entweder unbegrenzt oder begrenzt auf ein Mehrfaches der für den einzelnen Schadensfall geltenden Versicherungssumme. Die Jahreshöchstleistung muss mindestens 1 Mio. € (§ 52 Abs. 3 DVStB) bzw. im Fall der PartGmbB mindestens 4 Mio. € (§ 67 Abs. 2 Sätze 2 und 3 StBerG, § 52 Abs. 4 DVStB) betragen (vgl. hierzu näher Nr. 8 Abs. 2). Die Versicherer bieten in der Regel eine auf das Zweifache der Versicherungssumme begrenzte Jahreshöchstleistung an.

(2) Beispiele bei einer Versicherungssumme von 250.000,00 € im Einzelfall und der Jahreshöchstleistung von 1 Mio. €:

  1. Von einer Haftpflichtsumme (endgültig festgestellter Ersatzanspruch des Geschädigten) von 80.000,00 € ist die Selbstbeteiligung (vgl. Nr. 15) von insgesamt höchstens 1.500,00 € zu kürzen. Die danach vom Versicherer zu zahlende anteilige Leistung auf die Haftpflichtsumme von 78.500,00 € bleibt innerhalb der vereinbarten Versicherungssumme von 250.000,00 €. Zusätzlich trägt der Versicherer die vollen Kosten eines Haftpflichtprozesses.
  2. Bei einer Haftpflichtsumme von 300.000,00 € beträgt die vom Versicherer zu zahlende anteilige Leistung 248.500,00 € (Versicherungssumme von 250.000,00 € abzgl. Selbstbehalt von 1.500,00 €). Zusätzlich trägt der Versicherer die Kosten eines Haftpflichtprozesses nach einem Streitwert von 250.000,00 €. 51.500,00 € sowie die anteiligen Prozesskosten hat der Steuerberater selber zu tragen.
  3. In einem Versicherungsjahr sind fünf Schäden mit Haft­pflichtsummen von jeweils 250.000,00 € verursacht worden. Die vom Versicherer zu erbringende Leistung beträgt insgesamt 1 Mio. €, obwohl die einzelnen Haftpflichtsummen die für den Einzelfall vereinbarte Versicherungssumme nicht überschreiten. Die Begrenzung gilt auch, wenn die Schäden in verschiedenen Jahren gemeldet wurden. 250.000,00 € wären im Beispielsfall vom Steuerberater also selber zu bezahlen.

(3) Der Versicherer erbringt die ihm obliegende Leistung für jeden einzelnen Schadensfall. Als einzelner Schadensfall ist die Summe der Schadenersatzansprüche aller Anspruchsberechtigten zu verstehen, die sich aus derselben Handlung ergeben oder die von demselben Anspruchsberechtigten aus verschiedenen Handlungen gegen den Steuerberater oder seine Mitarbeiter geltend gemacht werden, soweit ein rechtlicher oder wirtschaftlicher Zusammenhang besteht. Demgemäß kommt die dem Versicherer obliegende Leistung nur als einmalige Leistung der Versicherungssumme in Frage:

  1. gegenüber mehreren entschädigungspflichtigen Personen, auf welche sich der Versicherungsschutz erstreckt
    Beispiel: Zwei Steuerberater übernehmen gemeinsam die Ausführung eines Auftrags für einen Mandanten und haben dieses Risiko durch einen gesonderten gemeinsamen Versicherungsvertrag abgedeckt. Der Versicherer leistet die Versicherungssumme nur einmal.
  2. bezüglich eines aus mehreren Verstößen stammenden ein­heitlichen Schadens
    Beispiel: Ein Steuerberater versäumt die Revisionsbegründungsfrist und legt die Prozessvollmacht nicht rechtzeitig vor. Aus beiden Gründen wird die Revision als unzulässig verworfen. Es handelt sich um einen einheitlichen Schaden, für den die Versicherungsleistung nur einmal erbracht wird.
  3. bezüglich sämtlicher Folgen eines Verstoßes. Dabei gilt mehrfaches, auf gleicher Weise oder gleichartiger Fehlerquelle beruhendes Tun oder Unterlassen als einheitlicher Verstoß, wenn die betreffenden Angelegenheiten miteinander in rechtlichem oder wirtschaftlichem Zusammenhang stehen. In diesem Fall ist die Leistung des Versicherers auf das Fünffache der Mindestversicherungssumme begrenzt. Ist die vereinbarte Versicherungssumme höher als das Fünffache der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestversicherungssumme, tritt der Versicherer mit der vereinbarten Versicherungssumme ein.
    1. Beispiel: Durch einen falschen Ansatz in der Bilanz einer OHG entsteht bei dieser eine höhere Gewerbesteuerschuld und bei den Gesellschaftern eine höhere Einkommensteuerschuld. Die Höhe der Versicherungsleistung beträgt höchstens 1.250.000,00 € oder ist, wenn die vereinbarte Versicherungssumme höher als 1.250.000,00 € ist, durch die vereinbarte Versicherungssumme begrenzt.
    2. Beispiel: Ein Unternehmen überlässt seinen Arbeit­nehmern Pkws zur privaten Nutzung. Der Steuerberater hat es bei zahlreichen Arbeitnehmern über mehrere Jahre unterlassen, den geldwerten Vorteil zur Lohnsteuer und Sozialversicherung heranzuziehen. Der Arbeitgeber wird dafür in Anspruch genommen, ohne die von dem Arbeitnehmer zu zahlenden Beträge nachfordern zu können. Der BGH hat entschieden, dass für den Steuerberater, der in jedem Jahr mit der Erledigung der steuerrechtlichen Angelegenheiten beauftragt wird, für jedes Steuerjahr erneut die Verpflichtung und die Möglichkeit besteht, die steuerlichen Fragen zu prüfen. Unterlässt er dies, liegt kein Dauerverstoß, sondern ein Fehler vor, der in jedem Jahr erneut begangen wird, mithin eine Vielzahl von Verstößen.
    3. Beispiel: Ein Steuerberater berät in Unkenntnis einer gesetzlichen Bestimmung oder einer Gesetzesänderung mehrere Mandanten, die nicht miteinander in rechtlichem oder wirtschaftlichem Zusammenhang stehen, fehlerhaft. Es liegen mehrere Verstöße vor.


15. Gebührenanrechnung, Selbstbehalt und Eigenbeteiligung

(1) Hat der Versicherungsnehmer in der Angelegenheit, bei deren Behandlung der Verstoß erfolgt ist, Gebühren erhalten, sind diese bei der Schadensregulierung nicht zwingend einzubeziehen. Ein solcher Gebühreneinwurf kann aber im Versicherungsvertrag vereinbart werden (siehe auch Abs. 4). Ein Anspruch auf Rückforderung von Gebühren oder Honoraren fällt nicht unter den Versicherungsschutz.

(2) Der Steuerberater trägt bei jedem einzelnen Versicherungs­fall einen Selbstbehalt. Der Selbstbehalt beträgt vorbehaltlich abweichender Vereinbarung 1.500,00 € („Festselbstbehalt“). Wird ein anderer Selbstbehalt vereinbart (z. B. gestaffelter Selbstbehalt), darf die Selbstbeteiligung den Betrag von 1.500,00 € nicht übersteigen (§ 52 Abs. 2 Satz 1 DVStB). Die Versicherer bieten gegen Zuschlag einen gestaffelten Selbstbehalt in der Form an, dass der Steuerberater von den ersten 5.000,00 € der Haftpflichtsumme 10 % und vom Mehrbetrag bis 45.000,00 € 2,5 %, in jedem Fall mindestens 250,00 € (Mindestselbstbehalt) übernimmt.

(3) Der Selbstbehalt, nicht aber die Gebührenanrechnung ist ausgeschlossen, wenn bei Geltendmachung des Schadens durch einen Dritten die Bestellung des Steuerberaters oder die Anerkennung der Steuerberatungsgesellschaft erloschen ist (§ 52 Abs. 2 Satz 2 DVStB). Dies gilt auch, wenn Haftpflichtansprüche gegen die Erben des Steuerberaters erhoben werden.

(4) Vertraglich kann zusätzlich zum Selbstbehalt in Höhe von 1.500,00 € ein Gebühreneinwurf vereinbart werden. Diese Kombination aus Selbstbehalt und Gebühreneinwurf wird als „Eigenbeteiligung“ bezeichnet. Die Versicherer bieten eine solche Eigenbeteiligung begrenzt auf einen Betrag von 2.500,00 € gegen Prämiennachlass an.


16. Prämien und Prämienzahlung

(1) In der Grundprämie sind in der Regel der Praxisinhaber und bei Sozietäten, Partnerschaften und Steuerberatungsgesellschaften ein Sozius/Partner sowie eine in der Praxis beschäftigte Person bzw. ein Geschäftsführer/Partner eingeschlossen. Die Prämiengestaltung der Versicherer ist allerdings nicht einheitlich. Auf dem Markt werden auch andere Prämienvarianten angeboten.

(2) Werden weitere Personen beschäftigt, so wird ein Personen­zuschlag zur Prämie berechnet. Die Versicherer berechnen insbesondere Zuschläge für weitere

  1. angestellte oder in freier Mitarbeit tätige Steuerberater, Steuerbevollmächtigte und Rechtsanwälte bzw. juristisch/betriebswirtschaftlich vorgebildete Mitarbeiter, die nicht Steuerberater oder Rechtsanwälte sind.
  2. Geschäftsführer/Partner einer Steuerberatungsgesellschaft.

Der Steuerberater ist verpflichtet, Veränderungen in der Zahl der Beschäftigten dem Versicherer nach Erhalt einer entsprechenden Aufforderung innerhalb eines Monats zum Zwecke der Prämienberichtigung zu melden. Wird trotz Aufforderung die Beschäftigung eines Mitarbeiters nicht angezeigt, verringert sich dem Versicherungsnehmer gegenüber die Leistung des Versicherers, wie wenn der Mitarbeiter Sozius wäre.

(3) Die Versicherer gewähren unter anderem die folgenden Nachlässe:

  1. Anfangsnachlass (Einrichtung einer Praxis innerhalb eines Jahres nach Bestellung)
  2. Nebentätigkeitsnachlass (selbstständige Tätigkeit neben der Tätigkeit als Angestellter bzw. freier Mitarbeiter eines anderen Steuerberaters, Syndikus­Steuerberater)
  3. Kleinpraxennachlass (bei Unterschreitung eines bestimmten Jahreshonorarumsatzes)
  4. bei Vereinbarung einer erhöhten Eigenbeteiligung, bei nachgewiesenem Qualitätsmanagement.


17. Fälligkeit der Prämienzahlung, Rücktritt und Leistungsfreiheit des Versicherers

(1) Die erste Prämie ist unverzüglich nach Abschluss des Ver­sicherungsvertrages zu zahlen. Abweichend hiervon sehen die Versicherungsbedingungen einzelner Versicherer vor, dass die Erstprämie erst nach Ablauf von zwei Wochen nach Abschluss des Versicherungsvertrages bzw. nicht vor dem vereinbarten und im Versicherungsschein angegebenen Beginn des Versicherungsschutzes fällig ist.

(2) Wird die erste Prämie nicht rechtzeitig gezahlt, so ist der Ver­sicherer, solange die Zahlung nicht bewirkt ist, berechtigt, vom Vertrag zurückzutreten, es sei denn, der Steuerberater hat die Nichtzahlung nicht zu vertreten (§ 37 Abs. 1 VVG).

(3) Ist die erste Prämie zur Zeit des Eintritts des Versicherungs­falls noch nicht gezahlt, so ist der Versicherer von der Verpflichtung zur Leistung frei, es sei denn, der Steuerberater hat die Nichtzahlung nicht zu vertreten. Der Versicherer ist nur leistungsfrei, wenn er den Steuerberater durch gesonderte Mitteilung in Textform oder durch einen auffälligen Hinweis im Versicherungsschein auf diese Rechtsfolge der Nichtzahlung der Prämie aufmerksam gemacht hat (§ 37 Abs. 2 VVG). Der Versicherungsschutz aus einer vorläufigen Deckungszusage entfällt rückwirkend, wenn der Versicherungsnehmer die Erstprämie für den endgültigen Versicherungsvertrag nicht rechtzeitig bezahlt hat. Die Zahlung gilt als rechtzeitig, wenn sie unverzüglich nach Zugang der Deckungszusage und der Zahlungsaufforderung erfolgt.

(4) Wird eine Folgeprämie nicht rechtzeitig bezahlt, kann der Versicherer dem Steuerberater auf dessen Kosten in Textform eine Zahlungsfrist von mindestens zwei Wochen bestimmen. Dabei sind die rückständigen Beträge der Prämie, Zinsen und Kosten im Einzelnen zu beziffern und die Rechtsfolgen anzugeben, die mit dem Fristablauf verbunden sind (§ 38 Abs. 1 VVG).

(5) Tritt der Versicherungsfall nach Fristablauf ein und ist der Steuerberater zur Zeit des Eintritts mit der Zahlung der Prämie oder der Kosten in Verzug, ist der Versicherer nicht zur Leistung verpflichtet (§ 38 Abs. 2 VVG).

(6) Der Versicherer kann nach Fristablauf den Vertrag ohne Einhaltung einer Frist kündigen, sofern der Steuerberater mit der Zahlung der geschuldeten Beträge in Verzug ist (§ 38 Abs. 3 VVG).

(7) Der Versicherer ist sowohl berechtigt als auch verpflichtet, die gemäß § 67 StBerG zuständige Steuerberaterkammer von der Beendigung oder Kündigung des Versicherungsvertrags zu benachrichtigen (§§ 53 Abs. 2, 56 Abs. 2 Satz 1 DVStB).


18. Sozietäten

(1) Steuerberater, die ihren Beruf nach außen hin gemeinschaft­lich ausüben, sind Sozien ohne Rücksicht darauf, wie ihre vertraglichen Beziehungen untereinander (Innenverhältnis) geregelt sind.

(2) Der Versicherungsfall eines Sozius gilt als Versicherungsfall aller Sozien. In der Person eines Sozius gegebene Umstände, die den Versicherungsschutz beeinflussen (z. B. Ausschlussgründe), gehen zulasten aller Sozien. Bei Sozietäten mit Wirtschaftsprüfern, vereidigten Buchprüfern und Rechtsanwälten gilt eine Pflichtverletzung durch Angehörige dieser Berufe bei der Wahrnehmung ihrer Vorbehaltsaufgaben nicht als Versicherungsfall der Sozietät1. Es ist deshalb zu beachten, dass bei Sozietäten mit Wirtschaftsprüfern, vereidigten Buchprüfern und Rechtsanwälten jeder einzelne Partner durch einen gesonderten Vertrag versichert ist, bei dem der Versicherungsschutz die Tätigkeit innerhalb und außerhalb der Sozietät deckt.

(3) Sozien sollten sich mit einer einheitlichen Versicherungs­summe zu einheitlichen Bedingungen versichern. Nachteile, die dadurch eintreten, dass gem. § 12 der AVB im Schadensfall nur die Durchschnittsleistung aus den Beträgen, die die Versicherer aus jeder einzelnen Police zu erbringen hätten, zur Verfügung steht, werden so vermieden.

Beispiel:

Die Sozien A, B und C sind mit Versicherungssummen von 250.000,00 € bzw. 375.000,00 € bzw. 500.000,00 € versichert. Der Sozius C verschuldet einen Schaden in Höhe von 425.000,00 €.

Es würde sich dann ohne Berücksichtigung der Selbstbeteiligung folgende Berechnung ergeben:

Sozius A würde für sich allein erhalten 250.000,00 €
Sozius B würde für sich allein erhalten 375.000,00 €
Sozius C würde für sich allein erhalten (Höhe der Haftpflichtsumme) 425.000,00 €
__________________

= 1.050.000,00 €

Dieser Betrag ist durch die Zahl der Sozien zu teilen; dann ergibt sich die Leistung des Versicherers mit 350.000,00 € ohne Rücksicht darauf, dass Sozius C allein mit 500.000,00 € versichert ist.

(4) Ist ein Mitglied der Sozietät auch im eigenen Namen und für eigene Rechnung tätig, so muss er hierfür eine besondere Versicherung abschließen.


IV. Umfang des Versicherungsschutzes

19. Zeitlicher Umfang des Versicherungsschutzes

(1) Mit der Versicherung sind Verstöße gedeckt, die vom Steu­erberater während der Dauer des Versicherungsverhältnisses begangen worden sind. Maßgebend für den Versicherungsschutz ist nicht der Zeitpunkt der Geltendmachung der Ansprüche, sondern der Zeitpunkt des Verstoßes (Verstoßprinzip). Auch nach Beendigung des Versicherungsverhältnisses bleibt der Versicherungsschutz in diesem Umfang und in Höhe der im Zeitpunkt des Verstoßes vereinbarten Versicherungssumme bestehen (Spätschadendeckung).

(2) Soll die Praxis eines verstorbenen Steuerberaters auf einen Nachfolger überführt, abgewickelt (§ 70 StBerG) oder durch einen Treuhänder verwaltet (§ 71 StBerG) werden, so sind die Erben des verstorbenen Steuerberaters bis zur Kündigung oder Aufhebung des Versicherungsvertrages gegen Vermögensschäden, die in der Praxis des Verstorbenen verursacht werden, im bisherigen Umfang versichert. Nach der Bestellung eines Praxisabwicklers oder Praxistreuhänders richtet sich der Versicherungsschutz nach dessen Versicherungsvertrag (Nr. 26).


20. Rückwärtsversicherung

(1) Die Rückwärtsversicherung bietet Deckung gegen in der Ver­gangenheit vorgekommene Verstöße, welche dem Steuerberater bis zum Abschluss der Rückwärtsversicherung nicht bekannt geworden sind. Ein Verstoß gilt als bekannt, wenn ein Vorkommnis vom Versicherungsnehmer oder versicherten Personen als – wenn auch nur möglicherweise – objektiv fehlsam erkannt oder ihnen – wenn auch nur bedingt – als fehlsam bezeichnet worden ist, auch wenn Schadenersatzansprüche weder erhoben noch angedroht oder befürchtet worden sind.

(2) Wird während des Bestehens einer Versicherung die Versi­cherungssumme erhöht, so wirkt diese Erhöhung nur für die Zukunft. Es ist daher zu prüfen, ob eine rückwirkende Anpassung des Versicherungsschutzes an die neue Versicherungssumme vorzunehmen ist.


21. Sachlicher Umfang des Versicherungsschutzes

Der Versicherungsschutz umfasst die Abwehr unberechtigter Schadenersatzansprüche und die Freistellung des Versicherungsnehmers von berechtigten Schadenersatzverpflichtungen, soweit sie bei den in Nr. 22 genannten Tätigkeiten verursacht wurden. Hinsichtlich solcher Verstöße, die vor Ablauf der Frist zur Meldung zuschlagspflichtiger Mitarbeiter (vgl. Nr. 16 Abs. 2) oder nach Zahlung des Mitarbeiterzuschlags erfolgt sind, sind auch Haftpflichtansprüche gedeckt, die unmittelbar gegen die Mitarbeiter erhoben werden.


22. Allgemeiner Umfang des Versicherungsschutzes

Der allgemeine Umfang des Versicherungsschutzes wird in der Risikobeschreibung für die Vermögensschaden-­Haftpflichtversicherung von Steuerberatern festgelegt, die derzeit den folgenden Wortlaut hat:

  1. Der Versicherungsschutz umfasst
    1. Tätigkeiten nach § 33 StBerG,
    2. die Hilfeleistung bei der Führung von Büchern und Auf­zeichnungen und die Aufstellung von Erfolgsrechnungen, Vermögensübersichten und Bilanzen, auch wenn der Auftraggeber hierzu nicht schon aufgrund steuerrechtlicher Vorschriften verpflichtet ist.
  2. Der Versicherungsschutz erstreckt sich auch auf die Tätigkeiten, die nach § 57 Abs. 3 Nr. 2, 3 und 6 StBerG mit dem Beruf vereinbar sind, und zwar
    1. Durchführung von betriebswirtschaftlichen Prüfungen sowie die Erteilung von Vermerken und Bescheinigungen hierüber; hierunter fallen auch Unterschlagungs-­, Kassen-­ und Kontenprüfungen;
    2. Erstattung von berufsüblichen Gutachten;
    3. Erstellung von Bilanzanalysen;
    4. Fertigung oder Prüfung der Lohnabrechnung, Erteilung von Verdienstbescheinigungen, An-­ und Abmeldungen bei Sozialversicherungsträgern und sonstigen gesetzlichen Einrichtungen (z. B. Agentur für Arbeit wegen Schlechtwettergeld, Zusatzversorgungskasse des Baugewerbes, Pensionssicherungsverein) sowie die dabei vorzunehmende Prüfung der Beitragspflicht und die Berechnung der abzuführenden Beträge, die Erteilung von Haushalts-­ und Lebensbescheinigungen;
    5. Bearbeitung von sonstigen öffentlichen Angaben oder Zuwendungen, auch soweit diese nicht der Verwaltung der Finanzbehörden unterliegen;
    6. Tätigkeit als nicht geschäftsführender Treuhänder, z. B. treuhänderische Verwaltung aufgrund gesetzlicher oder rechtsgeschäftlicher Treuhänderschaft;
    7. die Beratung und die Wahrnehmung sonstiger fremder Interessen in wirtschaftlichen Angelegenheiten, soweit diese berufsüblich sind, z. B.:
      1. aa) die wirtschaftliche Beratung
        1. bei der Gründung, Umwandlung, Sanierung, Auflösung oder bei dem Verkauf von Unternehmen, beim Abschluss von Verträgen;
        2. bei der Gründung und Unterhaltung betrieblicher Versorgungseinrichtungen, bei Finanzierung von Projekten;
        3. bei Aufstellung von Budgets und Wirtschaftlichkeitsrechnungen;
      2. bb) die Unternehmens-­ und Organisationsberatung;
      3. cc) die Beratung bei der Einrichtung von Datenverarbeitungsanlagen und der Erstellung von Programmen, soweit Letztere nicht technischen Zwecken dienen.
      4. Voraussetzung ist, dass der Steuerberater oder die von ihm mit diesen Arbeiten betrauten Personen über die besonderen Kenntnisse und Erfahrungen verfügen, um diesen Auftrag sachgerecht durchführen zu können.
      5. Auf die elektronische Datenverarbeitung oder die Erstellung von Datenträgern erstreckt sich der Versicherungsschutz nur dann, wenn diese Arbeiten im Zusammenhang mit einer anderen versicherten Tätigkeit erledigt werden. Nicht versichert ist die Empfehlung einer bestimmten Datenverarbeitungsanlage.
    8. Durchführung von Lehr­- und Vortragsveranstaltungen zur Vorbereitung auf die Steuerberaterprüfung sowie die Prüfung als Wirtschaftsprüfer und vereidigter Buchprüfer und zur Fortbildung der Mitglieder der Steuerberaterkammern und deren Mitarbeiter.
    9. Bei einzelnen Versicherern sind auch die folgenden Tätigkeiten in der Standarddeckung versichert:
      1. Mitgliedschaft in satzungsgemäß eingerichteten Gremien von Steuerberaterkammern sowie berufsständischen Vereinen, sofern hierfür nicht anderweitig Versicherungsschutz besteht.
      2. Mitversichert ist die Tätigkeit als Wirtschaftsmediator, soweit der Steuerberater über eine entsprechende Qualifikation verfügt.
      3. Mitversichert ist die rechtlich zulässige Tätigkeit des Steuerberaters oder einer mitversicherten Person in seiner/ihrer Eigenschaft als Beauftragter für den Datenschutz im Unternehmen eines Dritten, soweit sich die Tätigkeit auf die nach dem Gesetz zum Schutz vor Missbrauch personenbezogener Daten bei Datenverarbeitung (Bundesdatenschutzgesetz – BDSG) zugewiesenen Aufgaben bezieht. Mitversichert ist insoweit die gesetzliche Haftpflicht wegen immaterieller Schäden aus der Verletzung von Persönlichkeitsrechten.
  3. Der Versicherungsschutz erstreckt sich auch auf die Tätigkeit gemäß InsO als Insolvenzverwalter, vorläufiger Insolvenzverwalter und Sonderinsolvenzverwalter. Bei einzelnen Versicherern sind nach der Risikobeschreibung in der Standarddeckung auch mitversichert Haftpflichtansprüche
    1. wegen Schäden, welche daraus resultieren, dass der Betrieb des Schuldners ganz oder teilweise fortgeführt wird;
    2. aus §§ 34, 69 AO und vergleichbaren Fällen der persönlichen Haftung wegen Nichtabführung von Sozialversicherungsbeiträgen oder anderen öffentlichen Abgaben, sofern nicht wissentlich vom Gesetz abgewichen wurde;
    3. welche darauf beruhen, dass Versicherungsverträge nicht oder nicht ordnungsgemäß abgeschlossen, erfüllt oder fortgeführt werden, es sei denn, es wurde bewusst davon abgesehen;
    4. wegen Fehl-­ oder Doppelüberweisungen sowie Fehlern bei der Auszahlung der Insolvenzquote und der Abrechnung des Insolvenzgeldes;
    5. wegen Schäden durch vorsätzliche Straftaten gegen das Vermögen des Insolvenzschuldners durch das Personal des Steuerberaters wie auch des Insolvenzschuldners, soweit der Steuerberater wegen fahrlässiger Verletzung seiner Aufsichts­ und Überwachungspflicht in Anspruch genommen wird;
    6. gegen den Steuerberater wegen Pflichtverletzung von Angestellten des Insolvenzschuldners, Angestellten und Sozien/Partnern/Gesellschaftern des Steuerberaters und dessen freien Mitarbeitern, derer er sich zur Mitwirkung bei der Ausübung seiner Tätigkeit bedient.
  4. Der Versicherungsschutz erstreckt sich auch auf die Tätigkeit als Sachverwalter, Zwangsverwalter, Sequester, gerichtlich bestellter (vorläufiger) Liquidator, Gesamtvollstreckungsverwalter, Gläubigerausschussmitglied, Gläubigerbeiratsmitglied, Treuhänder gemäß InsO, Testamentsvollstrecker, Nachlasspfleger, Nachlassverwalter, Vormund, Betreuer, Pfleger, Beistand, Praxisabwickler (§ 70 StBerG), Schiedsrichter oder Schiedsgutachter, soweit diese nicht überwiegend ausgeübt werden. Vom Versicherungsschutz sind dabei Haftpflichtansprüche ausgeschlossen wegen Schäden, die dadurch entstanden sind, dass der Steuerberater im Bereich eines unternehmerischen Risikos einen Verstoß begeht. Dies gilt allgemein für die Fortführung eines zum Nachlass gehörenden Unternehmens im Rahmen der Tätigkeit als Testamentsvollstrecker, zum Teil aber auch für die Fortführung eines Unternehmens als Insolvenzverwalter (vgl. Nr. 28 Abs. 1 c).
  5. Der Versicherungsschutz erstreckt sich auch auf die Erbringung von Rechtsdienstleistungen, die als erlaubte Nebenleistung zum Berufs­ oder Tätigkeitsfeld des Steuerberaters gehören (vgl. § 5 RDG); soweit die Grenzen der erlaubten Nebenleistung nicht bewusst überschritten werden, bleibt der Versicherungsschutz erhalten.
  6. Nicht versichert sind unternehmerische Tätigkeiten, wie z. B. die über eine steuerliche und wirtschaftliche Beratung hinausgehende Empfehlung wirtschaftlicher Geschäfte, insbesondere von Geldanlagen und Kreditgewährungen, sowie die Tätigkeit als Vorstand, Aufsichtsrat, Beirat, Geschäftsführer oder Leiter von Unternehmungen.

23. Versicherungsschutz für gesellschaftsrechtliche Haftung

(1) Seit der Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) zur Rechts-­ und Parteifähigkeit der Gesellschaft bürgerlichen Rechts (BGH, Urteil vom 29. Januar 2001, II ZR 331/00, DStR 2001, 310), hat die Rechtsprechung die Haftungsverfassung der Gesellschaft bürgerlichen Rechts und damit der Sozietät in weiteren Entscheidungen fortentwickelt. Heute ist im Regelfall die Sozietät selbst Vertragspartnerin des Mandanten (vgl. BGH, Urteil vom 9. Dezember 2010, IX ZR 44/10, NJW 2011, 2301) und haftet für Berufsfehler der Sozien. Nach § 128 HGB analog haften die Sozien akzessorisch auch persönlich für die Verbindlichkeiten der Sozietät. Die akzessorische Gesellschafterhaftung gilt dabei auch für vertragliche Berufshaftungsansprüche und im Fall der gemischten Sozietät (BGH, Urteil vom 10. Mai 2012 IX ZR 125/10, NJW 2012, 2435).

(2) Um mögliche Versicherungslücken zu schließen, die sich aus der neuen Haftungsrechtsprechung zur Sozietät ergeben können, haben die Versicherer ihre Versicherungsbedingungen ergänzt und bieten für die Sozietät und Partnerschaft inzwischen einen erweiterten Versicherungsschutz an. Nach den jetzt geltenden Versicherungsbedingungen besteht Versicherungsschutz auch für die Sozietät bzw. Partnerschaft selbst, wenn gegen sie Ansprüche auf Schadenersatz aus Berufsversehen der einzelnen Sozien/Partner geltend gemacht werden. Die Sozietät/Partnerschaft ist dabei über die Versicherungen der Sozien/ Partner mitversichert.

(3) Versichert ist auch die akzessorische Haftung nach §§ 128, 130 HGB analog bzw. § 8 Abs. 1 PartGG i. V. m. § 130 HGB des in eine Sozietät/Partnerschaft neu eintretenden Sozius/Partner für Berufsfehler, die vor dem Eintritt von einem anderen Sozius/Partner begangen wurden. Dies gilt im Unterschied zum klassischen Versicherungsschutz auch dann, wenn der eintretende Sozius/Partner im Verstoßzeitpunkt selbst keiner Versicherungspflicht unterlag, weil er noch nicht als Steuerberater bestellt oder als Angestellter über die Versicherung seines Arbeitsgebers versichert war. Ebenfalls besteht Deckungsschutz für die Haftung des in eine Einzelpraxis neu eintretenden Gesellschafters gemäß § 28 HGB für Altverbindlichkeiten des früheren Praxisinhabers.

(4)Nach §§ 128, 160 Abs. 1 HGB analog bzw. § 10 Abs. 2 PartGG i. V. m. § 160 Abs. 1 HGB haftet ein Gesellschafter, der aus einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts bzw. Partnerschaft ausscheidet, bis zu fünf Jahre nach dem Ausscheiden für die bis dahin begründeten Verbindlichkeiten der Gesellschaft. In der Rechtsprechung ist noch nicht abschließend geklärt, ob es dabei auf den Verstoßzeitpunkt oder den Zeitpunkt des Vertragsabschlusses ankommt. Sollte der BGH entscheiden, dass die Verbindlichkeit der Gesellschaft bereits mit Abschluss des Mandatsvertrages im Sinne des § 160 Abs. 1 HGB begründet wird, würde der aus einer Sozietät ausscheidende Sozius auch für Berufsfehler haften, die bis zu fünf Jahre nach dem Ausscheiden von den ehemaligen oder danach neu hinzugetretenen Sozien/Partner begangen werden. Nach dem klassischen Deckungskonzept besteht in diesem Fall kein Versicherungsschutz, weil der ausscheidende Sozius im Verstoßzeitpunkt nicht mehr der Sozietät angehört. Zur Vermeidung einer möglichen Deckungslücke bieten die Versicherer zum Teil bereits jetzt im Rahmen der neuen Versicherungsbedingungen Versicherungsschutz auch für den Fall an, dass der ausscheidende Sozius/Partner nach § 160 Abs. 1 HGB akzessorisch für nach seinem Ausscheiden begangene Verstöße haftet.

(5) Nach der Rechtsprechung des BGH haften Steuerberater­sozien nach § 128 HGB analog akzessorisch auch für Verbindlichkeiten der Sozietät aus berufsfremden Tätigkeiten persönlich, die Rechtsanwälten bzw. Wirtschaftsprüfern vorbehalten sind (BGH, Urteil vom 10. Mai 2012 (IX ZR 125/10) – interprofessionelle akzessorische Haftung). Bei der Partnerschaft folgt die akzessorische Haftung der Partner bereits aus § 8 Abs. 1 PartGG. Nach den neuen Versicherungsbedingungen ist bei interprofessionellen Sozietäten/Partnerschaften die akzessorische Haftung des Steuerberatersozius/­-partners für von einem berufsfremden Sozius/Partner in dessen Vorbehaltsbereich begangene Fehler versichert. Kein Versicherungsschutz besteht allerdings auch nach den neuen Bedingungen dann, wenn der Steuerberatersozius/-­partner im berufsfremden Vorbehaltsbereich (z. B. Führung eines Zivilprozesses) einen Fehler begeht, da eine Deckung nur für die gesellschaftsrechtliche akzessorische Haftung gewährt wird, d. h. wenn die Haftung aus der beruflichen Tätigkeit der anderen Sozien/Partner (z. B. Fehler des Rechtsanwaltssozius in einem Mietprozess) resultiert.

(6) Der erweiterte Versicherungsschutz für die gesellschafts­rechtliche Haftung ist bei Neuverträgen bereits Bestandteil der Standarddeckung. Zu beachten ist jedoch, dass die neuen Bedingungswerke der Versicherer für bestehende Versicherungsverträge nicht automatisch gelten, sondern diese jeweils im Einzelfall umgestellt werden müssen.

24. Zusatzdeckungen

(1) Die Versicherer bieten in Ergänzung zur Standarddeckung für bestimmte Tätigkeiten gegen eine Mehr­- oder Zusatzprämie zusätzliche Deckungsbausteine an. Für diese Deckungserweiterungen gelten besondere Versicherungsbedingungen. Einen solchen erweiterten Versicherungsschutz bieten die Versicherer z. B. im Bereich der Vermögens­- und Finanzplanung an, mit dem auch die Beratung und Empfehlung bestimmter Kapitalanlageprodukte – was in der Standarddeckung ausgeschlossen ist (vgl. Nr. 22 Abs. 6) – versichert werden kann.

(2) Für den Fall der Auslagerung vereinbarer Tätigkeiten (z. B. Unternehmensberatung, Verwaltung fremden Vermögens) in ein gewerbliches Unternehmen gewähren die Versicherer für das Unternehmen, in das die Tätigkeit ausgelagert wird, gesonderten Versicherungsschutz entsprechend den unter Nr. 7 Abs. 2 und 3 genannten Bedingungen. Bei Auslagerung der Verwaltung fremden Vermögens gilt dies jedoch nur für die lediglich aufsichtsführende bzw. verwaltende Treuhandtätigkeit. Die Verwaltung eigenen Vermögens und die geschäftsführende Treuhandtätigkeit sind hingegen nicht versicherbar und werden von den Versicherern daher auch im Auslagerungsfall nicht versichert.

25. Auslandsdeckung

(1) Steuerberater dürfen ihre berufliche Niederlassung in einen ausländischen Staat verlegen, sofern ein Zustellungsbevollmächtigter mit Wohnsitz im Inland benannt wurde, und weitere Beratungsstellen im Ausland unterhalten. In Angelegenheiten, die das Abgaberecht fremder Staaten betreffen, sind Steuerberater zur geschäftsmäßigen Hilfeleistung in Steuersachen befugt (§ 12 StBerG).

(2) Der Versicherungsschutz bezieht sich grundsätzlich nicht auf Haftpflichtansprüche

  1. welche vor ausländischen Gerichten geltend gemacht werden;
  2. aus der Verletzung oder Nichtbeachtung ausländischen Rechts.

(3) Der Risikoausschluss des Abs. 2 gilt nicht für das europäische Ausland, die Türkei und die Staaten auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion einschließlich Litauen, Lettland und Estland.

In Abänderung des Ausschlusses in Abs. 2 Ziff. b ist die geschäftsmäßige Hilfeleistung in Steuersachen, die das Abgabenrecht der in Satz 1 nicht genannten Staaten betrifft, mitversichert, wenn dem Auftrag zwischen dem Versicherungsnehmer und seinem Auftraggeber nur deutsches Recht zugrunde liegt. Die Leistungspflicht des Versicherers ist in diesen Fällen der Höhe nach beschränkt, zum Teil auf die gesetzlich vorgeschriebene Mindestversicherungssumme (250.000,00 €), zum Teil aber auch auf das Vierfache der Mindestversicherungssumme (1.000.000,00 €) bzw. – soweit diese geringer ist – auf die vereinbarte Vertragsdeckungssumme.

(4) Der Versicherungsschutz erstreckt sich nicht auf Ansprüche aus Tätigkeiten, die über Niederlassungen, Zweigniederlassungen oder weitere Beratungsstellen im Ausland ausgeübt werden, soweit diese nicht durch besondere Vereinbarung eingeschlossen sind.

(5) Der Steuerberater muss prüfen, ob seine Tätigkeit im Aus­land bzw. seine Hilfeleistung im Abgabenrecht fremder Staaten nach Maßgabe der in Abs. 2 und 3 getroffenen Regelungen angemessen versichert ist. Ggf. ist er verpflichtet, zusätzlich eine Einzelversicherung abzuschließen.

26. Versicherungsschutz für Vertreter, Praxisabwickler und Praxistreuhänder

Mitversichert sind allgemeine Vertreter (§ 69 StBerG), Praxisabwickler (§ 70 StBerG) oder Praxistreuhänder (§ 71 StBerG) für die Dauer ihrer Bestellung sowie Vertreter (§ 145 StBerG) während der Dauer eines Berufs-­ oder Vertretungsverbots. Diese Mitversicherung besteht in dem Umfang nicht, in dem die Mitversicherten durch eine eigene Versicherung Deckung erhalten.

27. Versicherungsschutz für Erfüllungsgehilfen

(1) Der Steuerberater genießt auch insoweit Versicherungs­schutz, als er für Verstöße haftpflichtig gemacht wird, die in Ausübung der versicherten Tätigkeit von Erfüllungsgehilfen begangen werden.

(2) Das gilt insbesondere für Verstöße von angestellten Steuer­beratern und Steuerbevollmächtigten nach § 58 StBerG, Gehilfen und sonstigen Angestellten. Auch für Fehler, die von einem datenverarbeitenden Unternehmen verursacht werden, das als Erfüllungsgehilfe des Steuerberaters anzusehen ist, genießt der Versicherungsnehmer Deckungsschutz.

(3) Für den Versicherungsnehmer als freier Mitarbeiter tätige Steuerberater und Steuerbevollmächtigte, die neben der freien Mitarbeit keine eigenen Mandate betreuen, sind in der Versicherung des Auftraggebers mitversichert.

(4) Rückgriff gegen Angestellte des Versicherungsnehmers wird nach den Allgemeinen Versicherungsbedingungen nur genommen, wenn der Angestellte seine Pflichten vorsätzlich oder wissentlich verletzt hat. Der Begriff „Angestellte“ wird in der Praxis weit ausgelegt, sodass Entsprechendes auch für freie Mitarbeiter des Steuerberaters gilt.

28. Ausschlüsse und nicht versicherte Tätigkeiten

(1) Nach den Allgemeinen und Besonderen Versicherungsbedingungen sind einige Risiken vom Versicherungsschutz ausgenommen; das gilt insbesondere für Haftpflichtansprüche

  1. wegen Schadensverursachung durch wissentliches Abwei­chen von Gesetz, Vorschrift, Anweisung oder Bedingung des Auftraggebers oder durch sonstige wissentliche Pflichtverletzungen durch den Steuerberater selbst;
  2. aus der Tätigkeit des Steuerberaters oder seines Personals als Leiter, Geschäftsführer, Vorstands­, Aufsichtsrats­ oder Beiratsmitglied von Firmen, Unternehmungen, Vereinen oder Verbänden;
  3. wegen Schäden, die dadurch entstanden sind, dass der Steuerberater im Bereich eines unternehmerischen Risikos, das sich im Rahmen der Ausübung einer versicherten Tätigkeit ergibt, einen Verstoß begeht;
  4. wegen Schäden, die dadurch entstanden sind, dass ein Versicherungsvertrag nicht abgeschlossen oder fortgesetzt wurde, es sei denn, der Steuerberater beweist, dass von dem Abschluss oder der Fortführung nicht bewusst abgesehen wurde;
  5. wegen Schäden, die durch Fehlbeträge bei der Kassenführung, durch Verstöße beim Zahlungsakt oder durch Veruntreuung durch das Personal des Steuerberaters entstehen („Veruntreuungsschaden“);
  6. soweit sie aufgrund Vertrags oder besonderer Zusage über den Umfang der gesetzlichen Haftpflicht hinausgehen.

(2) Die Berufshaftpflichtversicherung deckt nicht alle Risiken, aus denen der Steuerberater zum Ersatz eines Schadens in Anspruch genommen wird. Das gilt insbesondere, wenn

  1. der Steuerberater auf Ersatz von Personenschäden in Anspruch genommen wird; einzelne Versicherer gewähren Versicherungsschutz aber auch für Personenschäden und hieraus resultierende immaterielle Schäden (Schmerzensgeld) in solchen Fällen, in denen der Schaden im Rahmen einer versicherten originären Berufstätigkeit verursacht wurde und in denen das betroffene Mandatsverhältnis den Schutz der Rechtsgüter des § 253 Abs. 2 BGB zum Gegenstand hat (z. B. immaterielle Schäden wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte bei Tätigkeit als Datenschutzbeauftragter).
  2. der Steuerberater auf Ersatz von Sachschäden in Anspruch genommen wird, die nicht in die Versicherung einbezogen sind; nicht versichert sind insbesondere Ansprüche wegen Sachschäden, die durch Abhandenkommen von Geld, geldwerten Zeichen, Wertsachen, Inhaberpapieren und in blanko indossierten Orderpapieren entstehen;
  3. die einem Dritten zugefügten Vermögensschäden in Aus­übung nicht versicherter Tätigkeit, z. B. durch unternehmerische Tätigkeiten (Nr. 22 Ziff. 6), verursacht werden. Nicht versichert sind auch die Kosten der eigenen Verteidigung des Steuerberaters (z. B. in Steuerstrafverfahren).

(3) Die in Abs. 2 genannten Risiken sowie nicht unter den Versi­cherungsschutz fallende Tätigkeiten können ggf. durch andere Versicherungen abgedeckt werden.

(4) Bestehen Zweifel, ob eine bestimmte Tätigkeit in den Versi­cherungsschutz eingeschlossen ist, empfiehlt sich vor Aufnahme dieser Tätigkeit eine Rückfrage bei dem Versicherer.

29. Ansprüche auf Erfüllung des Vertrags

Der Anspruch gegen den Steuerberater wegen Nichterfüllung oder nicht vollständiger Erfüllung des zwischen ihm und dem Auftraggeber bestehenden Vertrags fällt nicht unter den Versicherungsschutz. Auch eine an die Stelle der Erfüllungsleistung tretende Ersatzleistung durch einen Dritten (Erfüllungssurrogat) ist nicht Gegenstand der Haftpflichtversicherung.

Beispiele:

  1. Der Auftrag auf Erstellung einer Steuererklärung wird nicht ausgeführt. Der Mandant erteilt den Auftrag einem anderen Berufsangehörigen, der dafür ein höheres Honorar erhält. Der Auftraggeber kann den Ersatz dieses Schadens verlangen. Der Versicherer tritt jedoch nicht dafür ein.
  2. Ein Steuerberater hat für einen Mandanten einen Jahresabschluss fehlerhaft erstellt. Nach einem Beraterwechsel erhält der neue Berater den Auftrag, die Bilanz zu berichtigen. Das dafür zu zahlende Honorar wird nicht vom Versicherer erstattet.

30. Ersatz von Kosten

(1) Die Kosten eines gegen den Steuerberater anhängig gewor­denen, einen gedeckten Haftpflichtanspruch betreffenden Haftpflichtprozesses sowie einer wegen eines solchen Anspruchs mit Zustimmung des Versicherers betriebenen negativen Feststellungsklage oder Nebenintervention gehen voll zulasten des Versicherers. Sofern im Einzelfall mit dem Versicherer nichts anderes vereinbart ist, werden die Rechtsanwaltskosten entsprechend den Gebührensätzen des RVG übernommen.

(2) Einschränkungen können sich beispielsweise ergeben, wenn der Haftpflichtanspruch die Versicherungssumme übersteigt oder nicht höher ist als der Betrag des Mindest-­ oder eines vereinbarten festen Selbstbehalts, wenn die Erledigung eines Anspruchs am Widerstand des Steuerberaters scheitert oder wenn der Versicherer seinen vertragsgemäßen Anteil zur Befriedigung des Geschädigten zur Verfügung stellt (vgl. Nr. 32).


V. Verhalten im Schadensfall

31. Anzeigepflichten

(1) Der Steuerberater ist verpflichtet, jeden Versicherungsfall dem Versicherer unverzüglich, spätestens innerhalb einer Woche, schriftlich oder in Textform anzuzeigen. Versicherungsfall ist jeder Verstoß, der Haftpflichtansprüche gegen den Steuerberater zur Folge haben könnte.

(2) Die Geltendmachung eines Anspruchs durch den Geschä­digten gegenüber dem Steuerberater hat dieser innerhalb einer Woche nach Erhebung des Anspruchs anzuzeigen. Das gilt z. B. auch dann, wenn der Anspruch im Wege der Aufrechnung geltend gemacht wird. Die Anzeigepflicht besteht auch, wenn der Anspruch für unbegründet gehalten wird.

(3) Für die Erben eines Steuerberaters tritt an die Stelle der Wochenfrist eine Frist von einem Monat.

(4) Eine Anzeige ist unverzüglich zu erstatten, sobald dem Steu­erberater gerichtliche Maßnahmen (z. B. Mahnbescheid, Klage, Strafbefehl) oder die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens bekannt geworden sind. Gleiches gilt, wenn Prozesskostenhilfe beantragt oder dem Steuerberater der Streit verkündet wird, sowie im Fall eines Arrestes, einer einstweiligen Verfügung oder eines selbstständigen Beweisverfahrens. Diese Anzeigepflicht besteht auch dann, wenn der Versicherungsfall selbst bereits angezeigt worden ist.

32. Maßnahmen zur Abwendung und Minderung des Schadens

(1) Der Steuerberater ist, soweit für ihn zumutbar, verpflichtet, für die Abwendung und Minderung des Schadens zu sorgen und alles zu tun, was zur Klarstellung des Schadensfalls dient; dabei sind Weisungen des Versicherers zu befolgen.

(2) Der Steuerberater hat den Versicherer bei der Abwehr des Schadens sowie bei der Ermittlung und Regulierung des Schadens zu unterstützen, ihm ausführliche und wahrheitsgemäße Schadensberichte zu erstatten, alle Tatumstände, die auf den Schadensfall Bezug haben, mitzuteilen und alle für die Beurteilung des Schadensfalls erheblichen Unterlagen einzusenden.

(3) Die Unterrichtung des Versicherers ist auf dasjenige zu begrenzen, was den Schadensfall betrifft. Die Pflicht zur Verschwiegenheit (§ 57 Abs. 1 StBerG) – auch des Gehilfen des Steuerberaters (§ 62 StBerG) – besteht dann nicht, wenn die Offenlegung zur Wahrung der berechtigten Interessen des Versicherungsnehmers erforderlich ist (§ 5 Abs. 2 BOStB).

33. Rechtliche Stellung des Steuerberaters

(1) Der Steuerberater ist nicht berechtigt, ohne vorherige Zustimmung des Versicherers einen Anspruch ganz oder zum Teil anzuerkennen, zu vergleichen oder zu befriedigen. Anerkenntnisse oder Vergleiche, die vom Steuerberater ohne Zustimmung des Versicherers abgegeben oder abgeschlossen werden, binden den Versicherer nur, soweit der Haftpflichtanspruch auch ohne Anerkenntnis oder Vergleich bestanden hätte.

(2) Der Versicherer ist bevollmächtigt, alle zur Beilegung oder Abwehr des Haftpflichtanspruchs ihm zweckmäßig erscheinenden Erklärungen im Namen des Steuerberaters abzugeben. Gegen Mahnbescheide und behördliche Verfügung (z. B. Haftungsbescheid nach § 191 AO) hat jedoch der Steuerberater fristgemäß Widerspruch zu erheben bzw. die erforderlichen Rechtsbehelfe zu ergreifen, ohne Weisungen des Versicherers abzuwarten.

34. Folgen der Verletzung von Obliegenheiten

Wird eine Obliegenheit aus dem Versicherungsvertrag verletzt, ist der Versicherer von der Verpflichtung zur Leistung frei, wenn der Steuerberater die Obliegenheit vorsätzlich verletzt hat. Im Fall einer grob fahrlässigen Verletzung der Obliegenheit ist der Versicherer berechtigt, seine Leistung in einem der Schwere des Verschuldens des Steuerberaters entsprechenden Verhältnis zu kürzen; die Beweislast für das Nichtvorliegen einer groben Fahrlässigkeit trägt der Steuerberater (§ 28 Abs. 2 VVG). Bei nur einfacher Fahrlässigkeit bleibt der Versicherungsschutz bestehen.

Der Versicherer bleibt zur Leistung verpflichtet, wenn der Steuerberater nachweist, dass die Verletzung der Obliegenheit weder für den Eintritt oder die Feststellung des Versicherungsfalls noch für die Feststellung oder den Umfang der dem Versicherer obliegenden Leistung ursächlich war. Dies gilt nicht, wenn der Steuerberater die Obliegenheit arglistig verletzt hat (§ 28 Abs. 3 VVG).